Prinzessin Ebba

oder: was Braunfels mit Finnland verbindet


Ebba Louisa Charlotta Lavonius wurde 1850 in Helsinki geboren. Schon als Kind erregte sie Aufsehen. Sie war pfiffig, scharfsinnig, sprachbegabt - und bildhübsch. Ihre Augen waren vergissmeinnichtblau.

Ihre Kindheit verbrachte Ebba im nordfinnischen Oulu, der Hauptstadt des größten Verwaltungsbezirks des damaligen russischen Großfürstentums Finnland. Ihr Vater Alexander Lavonius war zunächst russischer Hauptkonsul in der schwedischen Hauptstadt Stockholm und wurde danach Gouverneur der besagten Provinz Oulu.
Auch ihre Mutter Rosina (geb. von Hartmann) stammte aus einer angesehenen Familie.


Eine Laune des Schicksals führte Ebba im Frühjahr des Jahres 1889 nach Wiesbaden, wo zu diesem Zeitpunkt auch Prinz Albrecht zu Solms-Braunfels weilte. Ein einziger Blick auf der Treppe eines dortigen Kurhotels, und es war um beide geschehen. Die Ehe wurde im Herbst des selben Jahres geschlossen. Nach allem, was man weiß, war es eine wirkliche Liebesheirat zwischen zwei reifen Menschen. Die Hochzeitsreise führte die Beiden ins sonnige Italien, wo die Mutter des Prinzen eine Villa besaß.

Die Situation für das Paar änderte sich schon bald, als nämlich Albrechts älterer Bruder, Fürst Georg, 1891 plötzlich starb. Da dessen Sohn Georg Friedrich gerade erst geboren war, fiel Prinz Albrecht die Aufgabe zu, als Treuhänder die Verwaltung des Braunfelser Besitzes zu übernehmen. Albrecht widmete sich dieser Aufgabe bis zu seinem Tod im Jahr 1901 mit Hingabe. Braunfels entwickelte sich in dieser Zeit zur Kurstadt und auch für das Solmser Land war es eine segensreiche Dekade.

Doch Ebba und Albrecht hatten noch eine andere Bestimmung. Im Jahre 1899 veröffentlichte der russische Zar und Großfürst Finnlands, Nikolaus II., auf Druck der panslawistischen, d.h. russisch-imperialistischen Bewegung das sog. "Februar­Manifest", mit dem die Rechte des bis dahin autonomen Finnlands, die die früheren Regenten seit dem Anschluss Finnlands an Russland im Jahre 1809 ausnahmslos bekräftigt hatten, sehr weitgehend eingeschränkt wurden.

Der Proteststurm im Land und auch die internationale Empörung waren heftig. In dieser Situation setzte sich Ebba gemeinsam mit ihrem Mann Albrecht nachdrücklich zugunsten ihres Landes ein. Schnell gelang es ihr, unter vielen führenden europäischen Politikern und Regenten – besonders auch bei Kaiser Wilhelm II. – Sympathien für ihr Land zu wecken.

 
 









Auch der anderen Seite blieb dies nicht verborgen. In der russischen Presse wurde die "deutsche Prinzessin" heftig angegriffen; man rächte ihren Einsatz an den Verwandten in Finnland mit Vertreibungen und Terror.

Trotz allem hat Ebbas Aufklärungsarbeit die finnische Unabhängigkeitsbewegung auf höchster Ebene flankiert und wohl auch das für Finnland glückliche Ende begünstigt: Nach einem Generalstreik nahm der Zar 1905 einige der einschneidendsten Beschränkungen zurück, die vollständige Unabhängigkeit erlangte Ebbas Vaterland dann 1917 nach der russischen Februarrevolution.

Nach Albrechts Tod wohnte Ebba außer in Deutschland eine Zeitlang in Schweden und auch in Finnland. Immer mehr gefiel es ihr aber in Italien, insbesondere in Rom, dort hat sie sich zum Katholizismus bekehrt. Der Erste Weltkrieg bedeutete auch für sie eine Tragödie. Nachdem Italien und Deutschland Feinde geworden waren, wurde Ebbas Zuhause in Rom mit allem Mobiliar beschlagnahmt und sie erhielt es nie mehr zurück. Nach dem Krieg kehrte die Prinzessin im Jahre 1922, nach einigen Jahren Aufenthalt in Schweden, nach Rom zurück. Diesmal endgültig.

Ebba lebte bescheiden, umgeben von einigen treuen Freunden und Verwandten. Sie war regelmäßiger und verehrter Gast bei Empfängen und Festen der Botschaft des selbständig gewordenen Finnlands und pflegte nach Möglichkeit Kontakte zum Norden.

Am letzten Junitag des Jahres 1927 starb Ebba im Alter von 77 Jahren in Frascati bei Rom. Sie ist in der Familiengruft in der Klosterkirche Altenberg neben ihrem Mann Albrecht beigesetzt.

Zu Ehren Ebbas und Albrechts hängen die beiden oben abgebildeten Portraits heute im Café. Und in der »Schloss­kirche erinnert das schöne mittlere Chorfenster an Prinzessin Ebba; sie hat es im Jahre 1904 gestiftet.