31.01.2017

Kupfererzbergbau im Altkreis Wetzlar 1607 – 1893

aus dem Vorwort des gerade neu erschienenen, sehr gelungenen Buchs von Karsten Porezag


Die Geschichte des Kupfererzbergbaus im Altkreis Wetzlar ist bisher ebenso unbearbeitet geblieben wie die des Kupferschmelzwesens. Die wichtigsten Ergebnisse seien daher hier vorweg genommen:

Im Altkreis Wetzlar sind insgesamt 44 auf Kupfererz verliehene Grubenfelder nachgewiesen. Diese Kupfererzlagerstätten waren denen des nassauischen Dillgebietes sehr ähnlich, aber kleiner und deshalb von geringerer wirtschaftlicher Bedeutung.

Im Gegensatz zum Dillgebiet, wo bedeutende Kupfererzmittel bis in große Teufen abgebaut wurden, handelte es sich hier aber nur um oberflächennahen Bergbau auf Resten dieser Lagerstätten, also „Erzmittel in der Nähe von Eisensteinlagern, die edel und reich, wenn auch wenig ausgedehnt waren”¹. Dies waren sehr kleine und nesterförmige Vorkommen, die einen dauerhaften Abbau nur in wenigen Fällen ermöglichten. Die hohe Erzgüte wird aber über die historischen Erzanalysen hinaus heute auch bestätigt durch die überlieferten Kupferkiesstufen der Bergwerke bei Berghausen, Daubhausen und Kölschhausen.


Mit wechselnder Intensität wurde im Altkreis Wetzlar Kupfererzbergbau in oberen Teufen über einen Zeitraum von mindestens 250 Jahren betrieben, nämlich spätestens von 1607 bei Berghausen bis ca. 1855 bei Kölsch­hausen. Bergmännischen Tiefbau (über 50 m Teufe) auf Kupfererz hat es im Altkreis Wetzlar nur in bescheidenem Umfang auf den beiden Berg­werken bei Daubhausen und Berghausen gegeben. Insofern ist zu bedauern, dass Prospektionen auf ein Vorhandensein von Kupfererz­lagerstätten in großen Teufen – wie im Dillgebiet – hier nie vorgenommen worden sind. Letzte (vergebliche) Versuche, alte Kupfererz­bergwerke wieder in Betrieb zu nehmen, gab es im 19. Jahrhundert noch in zwei Fällen: 1858 im Gebiet der einstigen Gruben bei Daubhausen, Berghausen und bei Greifenstein²,  sowie von 1869 bis 1906 mit großen zeitlichen Unterbrechungen auf Grube „Louishoffnung” bei Berghausen.


In den 1930er Jahren, als das NS-Regime im Zuge seiner Autarkiebestrebungen versuchte, überall im Deutschen Reich alte Kupfererzbergwerke wieder in Förderung zu bringen, geschah dieses ebenso wie im Dillgebiet auch bei Daubhausen, Kölschhausen, Großaltenstädten usw.


Von 1758 bis 1773 bestand eine Kupferschmelze auf der Fürstlich Solms-Braunfels´schen Oberndorfer Hütte. Darüber hinaus konnte die Existenz einer Waldschmiede bei Großaltenstädten nachgewiesen werden, wo noch 1781 und 1878 Schlackenreste mit Reinkupfer-Einschlüssen gefunden wurden³.

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¹ Kauth, S. 145
²
Bergrevierberichte, Bl. 34
³
sh. Kapitel 6. 1. im neuen Buch